Gottes Geduld

12. Mai 2018

Jesus erzählt in Lukas 13,6-9 eine Geschichte über einen Feigenbaum, der keine Früchte trägt. Drei Jahre kam der Besitzer vorbei, um zu sehen, ob der Baum Früchte hervorbringt. Doch vergebens. Er rief den Gärtner und wies ihn an, den Baum umzuhauen. Warum sollte er weiter den Boden aussaugen? Doch der Gärtner bat ihn: „Lass ihn noch ein Jahr stehen. Ich will den Boden umgraben und düngen. Wenn er dann Früchte trägt ist es gut, sonst kann er umgehauen werden.“

Der Feigenbaum ist ein Bild für das jüdische Volk oder für einen einzelnen Menschen. Der Feigenbaum hatte die besten Voraussetzungen, doch das Resultat war eine Enttäuschung. Der Baum brachte nicht das hervor, wozu er geschaffen wurde.

Spannend ist: Früchte reifen heran. Sie sind nicht einfach schubs da. Doch erste Ansätze müssen sichtbar werden. In Gottes Reich sind wir ständig Lernende (die eigentliche Bedeutung von Jünger). Wir sind ständig in einem Prozess der Veränderung. Der Wille zur Veränderung gehört zu einem Leben mit Gott.

Die drei Jahre nehmen einen Gedanken auf, den auch Elihu in Hiob 33,29-30 erwähnt:   „Siehe, das alles tut Gott zweimal, dreimal mit dem Mann, um seine Seele von der Grube zurückzuholen, damit er vom Licht des Lebens erleuchtet werde.“ Hiobs Antwort kommt dann in Kapitel 42,5: „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.“

Die drei Jahre sind auch eine Anspielung auf das öffentliche Wirken von Jesus. „Noch ein Jahr“ weist dann auf die Zeit des Heiligen Geistes nach Pfingsten hin. Es gab eine zweite Chance.

Auch wir erhalten immer wieder eine zweite Chance und eine Sonderbehandlung von Gott selbst. Doch es kann auch zu einem Ende der Bemühungen Gottes kommen und auch wir sollen unsere Kräfte nicht in Personen investieren, die sich nicht verändern wollen.

Paulus nennt die Früchte des Geistes in Galater 5,22-23: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.“

Interessant ist, wie viel der Weingärtner einsetzt, um Früchte am Baum hervorzubringen: Umgraben, düngen und Zeit geben. Das Umgraben bewirkt, dass das Wasser von den Wurzeln aufgenommen werden kann. Das Düngen ist die Nahrung. Ein junger Feigenbaum schießt seine ganze Kraft ins Holz. Doch er muss tiefe Wurzeln schlagen und je älter er wird, liegt die Konzentration auf den Früchten.

Jesus hat mit uns Geduld, doch er braucht unsere Kooperation und wir seine Pflege. Er möchte dass der Heilige Geist (Wasser) in uns die Worte der Bibel (Dünger) aufschlüsseln kann.

Wenn alles absolut nichts nützt, wenn ein Mensch sich stur jeder Änderung seines Lebens widersetzt und trotz allen Bemühungen des Heiligen Geistes in keiner Weise Frucht (Veränderung) hervorbringen will, dann wird es kritisch.

Jesus hat das Ende des Gleichnisses wohl bewusst offen gelassen, ob das Umgraben und Düngen des Gärtners den erhofften Erfolg gebracht hat. Wir sollen mit unserem Leben die Geschichte zu Ende schreiben.

Die Umkehr zu Gott, ist das grundlegende Thema in Lukas 13. Wer fasziniert ist von Gottes Einsatz und Geduld, der begibt sich gerne in die Pflege des Gärtners und entdeckt, dass ein Leben mit Gott ein Wachstumsprozess ist und keine Schnelllösung.

https://www.obrist-impulse.net/gottes-geduld/

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