Babylon und ihr Fall

10. Mai 2020

Der Begriff Babylon steht in Offenbarung 17 und 18 für ein System, in dem der Mensch Gott sein will, Gott vorschreibt wie er zu sein hat oder ihn ignoriert  – wie beim Turmbau zu Babylon (1.Mose 11).

Die Leute von Babylon wollten die Anweisungen Gottes „füllt die Erde“ (1.Mose 1,28 / 1.Mose 9,1) nicht umsetzen. Sie bauten einen Turm, „damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.“ (1.Mose 11,4). Der Mensch will unabhängig von Gott leben: „Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, wenn sie es sich zu tun vornehmen“ (1.Mose 11,6).

Babylon ist überall und wird sich gleichzeitig real manifestieren, damit Gottes Gericht sichtbar wird (Offenbarung 17,1+15). Wir suchen Babylon oft bei den anderen. Doch ideell ist Babylon mitten unter uns.

Wir müssen nicht fragen: „Wer ist Babylon?“, sondern: „Was ist Babylon?“

Babylon ist in der Wüste (Offenbarung 17,3). Das System, das ohne Gott auskommen will, hat kein Leben in sich.

Babylon ist die Mutter der Huren (Offenbarung 17,5). Ihr Kennzeichen ist Untreue – im Gegensatz zu den Treuen des Lammes in Offenbarung 17,14. Babylon hält keinen Bund  und lässt sich auf fremde Götter ein. Ihr Glaube ist ein Patchwork-Glaube. Babylon verführt die Menschen zur Abkehr von Gott.

Babylon freut sich am Tod der Gottesfürchtigen (Offenbarung 17,6). Nur die, die mit Gott verbunden sind, lassen sich nicht blenden und vertrauen auf den Sieg des Lammes (Offenbarung 17,8+14).

Babylon bedient sich der diversen Herrschaftssysteme und wird von ihnen getragen. Es ist eine Staatsreligion. Das System, das zerstört wurde, ersteht wieder (Offenbarung 17,8).

Sieben grundsätzliche Reiche prägen das biblische Weltbild (Offenbarung 17,9-10). Fünf sind gefallen, eines ist noch da. Das war zur Zeit des Johannes das römische Reich. Vorbei waren die Zeiten der Ägypter, der Assyrer, der Babylonier, der Perser und der Griechen. In Daniel 7,4-7 werden in einem Standbild Babel, Persien, das griechische und das römische Reich erwähnt. Das siebte Reich hat keinen Bestand. Ist es ein Bild für die moderne westliche Demokratie?

Der achte König (Offenbarung 17,11) ist ein Bild für die Wiedererstehung eines vergangenen Reiches (vielleicht Persien, siehe Jesaja 13,17-20, oder Rom nach Daniel 9,26).

Ein Bund aus zehn Mächten wird entstehen, welche gegen das Lamm (Jesus und seine Leute) kämpfen (Offenbarung 17,12-14).

Spannend ist in Offenbarung 17,16, dass die Hure, welche sich der verschiedenen Herrschaftssysteme bedient, von allen gehasst wird. In der Bibel wird Israel oft als Hure bezeichnet, weil die Juden sich von Gott abgewandt und auf andere Götter eingelassen haben.

So steht in Jesaja 1,21: „Ach, wie ist zur Hure  geworden die treue Stadt.“ In Hesekiel 16,31 heißt es: „Du hast dir an jeder Straßenecke deinen Sockel gebaut und auf jedem freien Platz deine Kulthöhe errichtet. Du warst keine gewöhnliche Hure; denn du hast es verschmäht, dich bezahlen zu lassen.“ In Hesekiel 23,4-5 sagt Gott: „Ohola meint Samaria, Oholiba Jerusalem. Ohola hurte, obwohl sie mein war. Sie hatte Verlangen nach ihren Liebhabern, nach Assur …“ Und in Hesekiel 23,30 wird Israel prophezeit: „Das tut man dir an, weil du den Völkern nachgehurt und dich mit ihren Götzen unrein gemacht hast.“

Im jüdischen Talmud finden wir die „babylonische Umkehrung“: „Der ewige König, gepriesen sei er, ist nicht so, denn er befolgt alles, was der Sanhedrin (jüdischer Gelehrtenkreis) beschließt“ (Buch Midrash, Tehillim 4).

Offenbarung 17,16-18 könnte auch auf den Holocaust  hinweisen. Andere sehen darin den Untergang   der verweltlichten Kirche. Denn der Geist Babylons wird auch sichtbar in den Kirchen, in der die Verdrehung geduldet wird.

Wer nicht zu den Treuen des Lammes gehört (Offenbarung 17,14), verstrickt sich im untreuen System Babylons, in dem man alles Göttliche umkehrt. Das gilt für alle Menschen.

Offenbarung 18 lässt uns auch wieder an ein reales Babylon denken, das untergehen wird. Diese Stadt bringt die Weltwirtschaft  zum Blühen. Sie liegt am Meer und in der Wüste.  Innerhalb einer Stunde wird sie zerstört werden und die ganze Weltwirtschaft bricht zusammen. Nicht einmal Gold wird etwas wert sein (Offenbarung 18,11-12). Welche Stadt das sein wird, ist noch offen.

Die Beschreibung der geplanten Stadt Neom an der saudisch-jordanischen Grenze kommt dem Bild von Babylon schon sehr nahe. Es soll die zukunftsweisendste Stadt der Welt werden. Sie soll als internationale Drehscheibe fungieren und eine Sonderwirtschaftszone sein, zugleich aber auch eine Attraktion für Touristen und Heimat für Medienunternehmen werden. „Es wird die erste kapitalistische Stadt der Welt sein“, sagte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Salman selbst sieht für die geplante Eröffnung der Stadt das Jahr 2025. Im Werbevideo für Neom heißt es: „Hier schaffen wir gemeinsam die nächste Stufe menschlichen Fortschritts.“ Der Kommunikationsminister für kulturelles Erbe in Neom, Abdulasis Alsanusi, kündigt an: „Neom ist der Ort, an dem die Menschheit wieder zusammenfinden wird.“ Erinnert uns das nicht an den Turmbau zu Babylon?

https://www.obrist-impulse.net/babylon-und-ihr-fall/

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