Das Geschäft mit der ewigen Jungfrau

24. Februar 2018
Paulus hat von Gott in Ephesus bereits aufs Herz gelegt bekommen, dass sein Weg nach Rom geht (Apg. 19,21). Doch in Ephesus war gerade Erweckung. Soeben gab es ein großes öffentliches Statement, indem viele ihre Zauberbücher verbrannt hatten (Apg. 19,19).
 
Ephesus war ein wirtschaftliches und religiöses Zentrum. Deshalb verbreitete sich der Glaube, der der neue Weg genannt wurde (V.23), in der ganzen Gegend aus.
 
Die Leute kamen nach Ephesus, weil hier der große Tempel der Artemis (römisch Diana) stand. Es galt als eines der sieben Weltwunder. Der Tempel war auf Treibsand gebaut und nur die besten Materialien wurden gebraucht.
 
Hier in Ephesus gab es eine Artemis-Erscheinung (V.37). Deshalb entwickelte sich der Ort zu einem Wallfahrtsort. Immer im Mai gab es große Prozessionen und Feste zur Ehre von Artemis.
 
Hier verkauften die Silberschmiede Tempel und andere geweihte Gegenstände, denen anscheinend göttlich Kräfte, wie Schutz, zugeschrieben wurde. Paulus sprach gegen die Wirksamkeit solcher von Händen gemachten Bildern (V. 26). Er lästerte aber nicht über die Göttin (V. 37).
 
Artemis galt als Mutter alles Lebens. Sie ist die ewige Jungfrau und forderte von den Priestern und Tempel Dienerinnen das Zölibat (Ehelosigkeit aus religiösen Gründen) und Jungfräulichkeit. Sie gehört zu den zwölf wichtigsten Gottheiten der griechischen Mythologie. Sie war unter anderen Dingen die Hüterin der Frauen und Kinder.
 
Nun schien das Geschäft mit dem Glauben in Gefahr (V.27). Spannend ist, dass ein anderes Thema in den Vordergrund geschoben wurde. Wie oft transferieren wir unsere Konflikte in religiöse Gewänder. Viel hatten nicht mal eine Ahnung, warum man einen Mob gestartet hatte (V.32). Wie schnell kann man zum Mitschreier werden, anstatt sich an die richtigen Stellen zu wenden. Der Stadtschreiber ist hier ein Werkzeug Gottes, indem er darauf hinweist, dass man den ordentlichen Weg gehen soll. Für uns heißt das immer wieder, nicht hinten herum über jemanden zu sprechen sondern ihn direkt anzusprechen oder die Sache fallen zu lassen.
 
Paulus hört auf den Rat der Brüder und der Beamten und geht nicht zum Stadion. Manchmal ist einfach dran zu schweigen. Wahrscheinlich besonders dann, wenn Emotionen im Spiel sind, oder es nur um Hetze und Lästerungen geht.
 
Spannend ist auch, dass Paulus nie negativ über den Glauben der anderen sprach. Auf jeden Fall konnte man nicht sagen, dass sie Gott gelästert hatten (V.37). Ihm war es wichtig, dass der Glaube sein Vertrauen in Jesus setzt und nicht auf Gegenstände, welchen man göttliche Kräfte zuschreibt. Die Gefahr ist, dass ein Gegenstand oder eine Person, welche uns auf Gott hinweisen sollen, auf einmal anstelle von Gott treten können, weil wir unser Vertrauen in sie statt in Gott setzten.
 
Gott hat dem Wirken von Paulus hier einen Schlusspunkt gesetzt. Später kam Johannes, der Jünger von Jesus hierher. Im Jahr 431 fand hier das Dritte Ökumenische Konzil statt, an dem Maria in den Fokus der Theologie rückte.
 
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Der Schlüssel zum ewigen Leben

17. Februar 2018
Bei der Geschichte vom barmherzigen Samariter geht es nicht um Krankenpflege, sondern darum meine Geschäftigkeit für einen Menschen der mir begegnet und meine Hilfe braucht zu unterbrechen.
 
Jesus wird gefragt, was der Schlüssel zum ewigen Leben ist. Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Das ist auch die Zusammenfassung des Alten Testamentes.
 
Doch der Fragesteller will sich gleich entschuldigen und meint wer, denn sein Nächster sei? Jesus antwortet mit einer Geschichte (Lukas 10,25-37).
 
Nicht mit einer Tat (an einem Menschen) ist meine Pflicht erfüllt und ich erhalte ewiges Leben, sondern indem ich meine Haltung ändere.
 
Mein Nächster ist nicht eine Person der Wahl. Ich muss nicht einen Auftrag suchen und erfüllen. Sondern ich werde ein Nächster durch mein verändertes Verhalten mit den Menschen die mir begegnen.
 
Der Priester (Vollzeiter) weiterlesen →

Salz und Licht

25. Januar 2018
Statt Rückzug – berühren. Statt verbergen – zeigen. Damit der Vater im Himmel wahrnehmbar ist und in den Fokus rückt.
 
Jesus spricht vom Salz und Licht.
 
Die ganze Finsternis der Welt kann das Licht einer einzigen Kerze nicht auslöschen.
 
Salz bringt den Geschmack zur Entfaltung, Salz konserviert und galt zur Zeit der Bibel als reinigend (vgl. 2. Mose 30,35; 2. Könige 2,19-23; Hesekiel 16,4) und wurde Opfern beigegeben (3. Mose 2,13; Hesekiel 43,24). Mit Salz wird Fleisch koscher (jüdisch rein) gemacht. Jesus will hier sagen: Nachfolger von Jesus bewirken etwas. Sie sollen sich nicht zurückziehen sondern im Kontakt sein.
 
Durch Jesus wird es hell – es wird Licht.
Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben, ebenso wie die Stadt Safed, die über dem See Genezareth thront. (Im Jerusalemer Talmud (RH 2:1, 58a) wird Safed als einer der Berggipfel erwähnt, von denen zur Zeit des Herodianischen Tempels Feuersignale übermittelt wurden).
 
Licht bringt hervor, was verborgen war. Wer nichts zu verbergen hat, muss sich nicht vor dem Licht fürchten, sondern kann sich darüber freuen.
 
Salz und Licht bewirken etwas. Das Ziel ist, dass die Menschen nicht einen Menschen ehren, sondern den Vater im Himmel verherrlichen (Vers 16). Paulus bezeichnet das als den Sinn des Lebens: „… damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien“ (Epheser 1,12 wie auch 1,6; 1,14).
 

Die Vision von Jesus

21. Januar 2018
Jesus legt in der Bergpredigt einen neuen Fokus. Er will sein Reich nicht mit den Starken bauen, sondern das Augenmerk auf die Schwachen legen. Er hebt die Not nicht auf, sondern gibt darin Hoffnung. Er unterwirft nicht mit Macht, sondern wirbt in Liebe.
 
Die Seligpreisung von Jesus erscheint ein Paradox zu sein. Nicht die Not hört auf, aber man ist in ihr gesegnet. Es geht nicht um gesellschaftliche Stellungen, sondern um Einstellungen. Jesus fordert seine Zuhörer auf, den Blick nicht auf die Starken, sondern auf die Schwachen zu richten.
 
Das Leben auf der Erde ist nicht das Ziel, sondern eine Vorbereitung für die Ewigkeit. Das Reich von Jesus gibt jedem wieder Hoffnung und eine Zukunft, auch wenn eine unmittelbare Veränderung noch ausbleibt.
 
Die Bergpredigt beschreibt eine Leitlinie – das Ideal. Sie ist wie die Mittellinie einer Straße. Andere Gebote beschreiben den Straßenrand. Überschreitet man diese, dann ist der Tod die Folge, sofern man nicht wieder umkehrt. Unser Leben pendelt zwischen dem Ideal und der Wirklichkeit und dem Absturz. Jesus gibt uns darin neue Hoffnung.
 
Jesus will uns von Erwartungshaltungen von anderen Menschen befreien. Ich mache, was Jesus mir aufträgt, egal was die anderen denken.
 

Unerwarteter Aufstand in Korinth

7. Januar 2018
Als Paulus in Korinth war (Apostelgeschichte 18), schien alles einigermaßen normal zu verlaufen. Doch als Gallio Prokonsul wurde, gab es einen Aufstand aus heiterem Himmel. Die Bibel beschreibt uns keinen offensichtlichen Grund. Doch vor einem weltlichen Gericht, braucht es einen Grund, der scheint zu fehlen. Alles war ruhig und nichts Anstößiges war geschehen. Dennoch gab es etwas, was die jüdische Gemeinschaft beunruhigte.
 
Die Juden waren zu dieser Zeit eine anerkannte Religion und genossen einen gewissen Schutz und Respekt. Herodes der Große hatte gute Verbindung zum Kaiserhaus. Kaiser Augustus pflegte zu den Juden ein gutes Verhältnis, und er ließ auf seine Kosten zweimal täglich im Tempel von Jerusalem ein fürbittendes Opfer für den römischen Kaiser darbringen. Die Römer respektierten den Glauben der eroberten Volksgruppen, solange sie nicht mit dem römischen Gesetz in Konflikt kamen oder die Loyalität zu Rom aufgaben.
 
Die jüdische Gemeinschaft hatte auch weltweite Beziehungen, da Juden in allen größeren Städten lebten. Die gegenseitige Solidarität und Gastfreundschaft öffnete ihnen gute Handelsbeziehungen. Durch die strengen jüdischen Gebote war ihre Gemeinschaft limitiert.
 
Nun kam Paulus und lud alle Menschen in diesen neuen „jüdischen“ Glauben ein. Im 1. Korintherbrief 6,9-11 schreibt Paulus, dass einige Gemeindeglieder zuvor Unzüchtige, Ehebrecher, Diebe, Habsüchtige, Trunkenbolde, Lästerer und Räuber waren. Es bestand die Gefahr, dass die Juden ihren guten Ruf verlieren.
 
Wahrscheinlich deshalb klagen sie Paulus an, gegen das römische Gesetz zu verstoßen. Das war das Zwölftafelgesetz, dass die Grundlage des römischen Rechts bildete. In Thessalonich war die Anklage, dass Paulus einen Jesus als neuen König verkünde (Apostelgeschichte 17,7). Auch hier muss die Anklage ähnlich gewesen sein, da Gallio sagt: „Wenn es ein Unrecht oder eine böse Handlung wäre, Juden, so hätte ich euch vernünftigerweise ertragen; wenn es aber Streitfragen sind über Worte und Namen und das Gesetz, das ihr habt, so seht ihr selbst zu, über diese Dinge will ich nicht Richter sein“ (Apostelgeschichte 18,14-15).
 
Gallio meint also, ihre Anklage habe nichts mit dem römischen, sondern mit dem jüdischen Gesetz zu tun.
 
Durch dieses Ereignis, waren Paulus und die Gemeinde sicher. Sie wurden vom Staat geschützt. Doch nun erwacht in Paulus auf einmal die Sehnsucht nach Jerusalem zu gehen. Das Gelübde, dass er ablegt, könnte ein Nasiräers-Gelübde sein, dass eine Pilgerfahrt nach Jerusalem miteinschloss (4.Mose 6,1ff). Deshalb auch den Drang, nicht in Ephesus zu verweilen.
 
Spannend ist, Gott hatte Paulus versprochen (Apostelgeschichte 18,10), dass ihm in Korinth nichts geschehen wird. Gott hielt Wort, wenn auch auf unerwartete Weise durch einen römischen Prokonsul. Paulus nahm sich eine Auszeit. Er brauchte eine neue Stärkung und ging an ein jüdisches Pilgerfest in Jerusalem. Auch in unserem Leben helfen uns Zeiten des Rückzugs und der Inspiration.
 
Es gibt einen Unterschied zu den göttlichen und weltlichen Geboten. Die göttlichen Gebote sind freiwillig. Wie wir uns ihnen gegenüber verhalten hat etwas mit dem persönlichen Segen Gottes zu tun. Die weltlichen Gebote sind für alle verpflichtend, egal welche Lebenseinstellung sie haben. Gottes Art ist in Liebe zu werben und uns nicht zu knechten.
 

Glaubensnahrung

29. Dezember 2017
Christlicher Glaube nährt sich mehr aus der Faszination über biblische Texte als von Ritualen und Appellen.
Die frühchristliche Überzeugung war, dass der Heilige Geist durch das Studium der jüdischen Schriften Licht auf das Leben wirft.  Es wäre schön, wenn die weltweite Kirche im einfachen Bibelstudium eine Gelegenheit für den heiligen Geist entdeckt, unseren Verstand zu erleuchten und zu inspirieren und wir so eine gemeinsame Basis finden.

Die Geschichte von der Geburt von Jesus

22. Dezember 2017

Nacherzählt nach den beiden Berichten, wie sie im Matthäus- und Lukasevangelium überliefert sind.

Der Priester Zacharias ist an der Reihe im Tempel in Jerusalem, den Leuchter zu reinigen und Öl nachzufüllen und das Rauchopfer darzubringen. Plötzlich wird es hell. Ein Engel steht neben dem Räucheraltar. Zacharias erschrickt zutiefst.
Der Engel sagt zu ihm: „Fürchte dich nicht. Du ….      weiterlesen →


Der Mythos von Weihnachten

21. Dezember 2017
Der biblische Text wurde durch die Jahrhunderte aus seinem Kontext herausgelöst und dadurch entstanden herzerwärmende Geschichten.
 
Doch so manches erhält beim näheren Hinsehen ein anderes Gesicht. Erst im Jahr 354 erscheint im Werk „Chronographen“ vom römischen Schreiber Furius Dionysius Filocalus der 25. Dezember als offizielles Datum für Weihnachten. Diesen Termin legte Papst Liberius fest. Zuvor feierte man die Geburt von Jesus auch an Ostern.
 
Spannend ist auch die Beobachtung, welchen Beruf Josef hatte. Im griechischen Text steht: Tekton (τέκτων). Das ist einer, der Häuser baut (Matthäus 13,55 / Markus 6,3). Was damals so viel bedeutete wie Bauhandwerker und alle Tätigkeiten beim Hausbau einschloss. Da die Häuser im Nahen Osten …..
 
Die Bethlehemer gründeten eigene Siedlungen und gaben ihnen „messianische“ Namen, wie das „Dorf des Stern‘s“ oder wie hier „Dorf der Sprösslinge“ (Nazara) indem sie Bezug auf Jesaja 11,1 nahmen
 
Rätselraten verursacht auch die Steuerlisten. Warum könnten sich Josef und Maria nicht in Nazareth eintragen lassen? Wer Besitz hatte, muss sich an dem Ort eintragen lassen, an dem einen Besitz hatte. Die Juden durften ihr Familiengrundstück (bis auf ein Stadthaus) nach dem Gesetz nicht verkaufen, sondern höchstens eine Zeit lang verpachten (3. Mose 25,23.28).
 
Die Futterkrippe ist der einzige Hinweis, dass Jesus in einem Stall geboren wurde. Doch im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung fand man sie auch in Häusern.
 
Der Ochs und der Esel erscheinen auch erst ab dem 4. Jahrhundert auf Weihnachtsdarstellungen.
 
Spannend ist auch wie aus drei Geschenken in unseren Erzählungen drei Könige mit drei Namen und unterschiedlichen Hautfarbe entstanden.
 
Traditionen können uns im Wege stehen, um einen Text so zu nehmen, wie er ist.
 
Gott kommt ins Elend und erlöst uns.
 
Alles erscheint chaotisch und doch Gott gibt zur rechten Zeit, was es braucht. Er erfüllt Schrift. Wäre die Geschichte erfunden, hätten sie nicht so viele offene Fragen und unerklärliche Zusammenhänge.
 

Die „Heiligen Drei Könige“– drei Worte – drei Irrtümer

19. Dezember 2017
Erstens waren sie keine „Heiligen“, sondern ganz normale Menschen. Zweitens weiß niemand, ob sie zu dritt kamen. Nur die Anzahl der Geschenke ist bekannt. Und drittens waren es keine Könige, sondern Gelehrte und Sterndeuter.
 
Dennoch kommen in der Weihnachtsgeschichte drei Könige vor.
 
Herodes war ein König des Schreckens.
 
Augustus war ein guter Schauspieler, doch der König, auf den die Menschheit wartete, war er keinesfalls.
 
Jesus wurde als König der Juden bezeichnet. Kein Glanz – keine Gewalt – seine Botschaft: Nicht die mächtigen Herrscher bringen Rettung, sondern derjenige, der sich schwach zeigt. In der Verwundbarkeit liegt eine besondere Stärke. Wer sich verwundbar zeigen kann, ist der eigentlich Starke.
 

Feindesliebe im Alten Testament

10. Dezember 2017
Es gibt eine interessante Geschichte im 2. Könige 5. Uns wird berichtet, dass der Heerführer der Feinde Israels aussätzig wird. Eine israelische Sklavin, die vorher einmal auf einem Raubzug mitgenommen wurde, sagte ihrer Chefin, dass es in Israel einen Propheten gebe, der Naaman heilen könnte.
 
Obwohl dieses Mädchen Schadenfreude hätte empfinden können, in ihrer leidvollen Situation, möchte sie nur das Beste.
 
Der Name von Naaman bedeutet: ….
 
Manche Dinge können wir in unserem Leben nicht erklären, wie die Situation von dem Mädchen. Trotz allem, hatte sie ihren Glauben an den Gott der Wunder wirken kann behalten. Der König von Israel dagegen dachte nicht an die Möglichkeiten Gottes. Elisa war es wichtig, dass Naaman nicht dachte, er hätte die Kraft Wunder zu tun, sondern dass es Gott selbst ist. Deshalb nahm er auch keine Geschenke an. Er vertraute auch, dass Gott für ihn und seine Schule Wort hält und sie versorgt. Gehasi sah auf einmal das Geld.
 
Die Geschichte ermutig, auch in schwierigen Umständen auf Gott zu vertrauen. Wichtig ist, dass Menschen Gott selbst erfahren und dann weiter auf ihn vertrauen.
 

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